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Forum #1 – 24.11.2000
Das Forum und die Zukunftsthemen

Über 120 Besucher zählte die erste Sitzung des Forums Leipziger Osten am 24. November im Jugendfreizeittreff Rabet.
Petra Hochtritt, Stadtteilmanagerin und Mitarbeiterin im Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, vielen bekannt aus den Sanierungsgebieten Neustädter Markt und Neuschönefeld, eröffnete die Sitzung und zeigte an eindrucksvollen Bildern auf, was bereits alles in den letzten 10 Jahren saniert werden konnte und neu im Stadtteil seinen Platz gefunden hat.

Von den schwarzen Dächern und dunklen Rauchsäulen aus den Schornsteinen am Neustädter Markt sind nicht mehr viele zu sehen. Rote, frisch gedeckte Dächer machen deutlich, daß viele öffentliche und private Investitionen getätigt wurden, um das Viertel wieder lebenswert zu machen. Die Chancen stehen gut, daß die Erneuerung fortgesetzt werden kann. Aber es geht auch um neue Themen, nicht alle Häuser werden gebraucht, einige sind nur noch Ruinen. Es geht um neue Wohnformen, vielleicht um Reihenhäuser in der Mariannenstraße oder von den Nachbarn begrünte und besuchte Grünflächen auf Brachengrundstücken. Weniger Erneuerung an den Häusern, mehr grundsätzliche Veränderungen. Bei der Umsetzung von Umbau und Erneuerung und der Diskussion um die Zukunft des Leipziger Osten braucht der Stadtteil die Zusammenarbeit zwischen Bürgern, Gewerbetreibenden, Vereinen, Politik und Stadtverwaltung. Dazu stehen Mittel über das Bund-Länder-Förderprogramm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt” für den Leipziger Osten bereit.

Viele Bewohner haben am 24.11.2000 den Weg in den Jugendclub gefunden. Ziel der Veranstaltung war die Benennung der wichtigsten Themenfelder, an denen die Anwohner, Eigentümer, Gewerbetreibenden, Vereine usw. am meisten interessiert sind und welche für eine positive Entwicklung des Stadtteils aus Sicht der Betroffenen eine entscheidende Rolle spielen.

Das Forum Leipziger Osten
Um sich über die Zusammenarbeit zwischen Bürgern und Verwaltung, Gewerbetreibenden und Politik auszutauschen und die wichtigen Fragen im Stadtteil zu besprechen, wurde die Idee eines Forums für den Leipziger Osten geboren. Andreas Kaufmann, Stadtteilmanager, stellte die Möglichkeiten und Aufgaben des Forums vor, das als wichtigstes Diskussionsgremium zu den Fragen des Stadtteils Position beziehen kann. „Im Forum kann man die wichtigsten Fragen zum Stadtteil diskutieren, sich mit anderen austauschen. Die Chancen stehen jetzt gerade durch das Programm Soziale Stadt sehr gut, Ideen zu entwickeln und eigene Projekte auch wirklich umzusetzen.”

Das Forum wird viermal jährlich tagen und lebt von der Beteiligung und Mitwirkungsbereitschaft der lokalen Akteure und ihrem Interesse, im Stadtteil etwas zu bewegen. Da das Forum kein von allen Bürgern gewählter Kreis wie der Stadtrat ist, kann es grundsätzlich keine Entscheidungen treffen. Es kann aber über Diskussion und Empfehlungen die Meinungsbildung im Stadtteil und in der Gesamtstadt zugunsten der Interessen des Stadtteils beeinflussen. Neben der wichtigen Aufgabe des „Lobbytums” und des Themen besetzen hat das Forum bereits am 24.11.2000 die Funktion eines „Netzknotens” erfüllt: in der Pause fanden die Gespräche kaum ein Ende, weil so viele Dinge zu besprechen waren. Im Forum können gemeinsam neue Projekte ausgedacht werden (Ideenfindung, Konzeption) oder Ideen weiterentwickelt werden. Das Stadtteilmanagement berät dann bei der Konzeption und der Suche nach Finanzmitteln. Wenn alles so läuft wie gewünscht kann das Forum mittelfristig über ein eigenes Budget verfügen, um z. B. Sofortmaßnahmen oder Expertenrat zu finanzieren.
Im Rahmen der Stadtteilentwicklungsplanung wird das Forum ein besonderes Gewicht haben, weil die Auswahl der Schwerpunkte der zukünftigen Arbeit im Leipziger Osten maßgeblich durch das Forum geprägt werden wird. Die Inhalte und Empfehlungen des Forums werden direkt in die Stadtteilentwicklungsplanung einfließen. Die Diskussion lohnt also.

Ideensammlung und Themenfindung: Was ist zu tun?
Die von Andreas Kaufmann vorgestellten Ideen klangen noch ein wenig nach, als die Moderatorin Kathrin Rieger-Genennig, unterstützt vom erfahrenen Moderator Bernhard Krupp zur Bildung der Arbeitsgruppen aufrief. Jeder Besucher hatte am Eingang eine Postkarte mit einem Foto vom Leipziger Osten erhalten. Auf der Rückseite klebte ein kleiner Punkt, nach dessen Farbe die Besucher den Arbeitsgruppen zugeordnet wurden. Die Bürgermoderatoren, die für jede einzelne Gruppe bereit standen, scharten – in farblich passend gewählten Pullovern – ihre Gruppenmitglieder um sich und der große Saal im Jugendclub füllte sich mit dem Stimmengewirr der konzentrierten Gespräche. Die insgesamt sieben Arbeitsgruppen – von Grün bis Margerite – gingen der Frage nach: Was ist zu tun, um den Leipziger Osten fit für die Zukunft zu machen? Die eine Stunde war schnell vorbei, eine Gruppe hatte die Zeit vergessen und war überrascht, als Moderatorin Kathrin Rieger-Genennig die Ergebnisse einsammeln wollte.

Die Ergebnisse: die wichtigsten Themen
In der Pause wurde bei Kaffee und Brötchen weiter an den Themen diskutiert, die währenddessen von den Bürgermoderatoren ausgearbeitet und dann wieder im Forum vorgestellt wurden. Die Besucher hatten umfassende Kritik sowie viele Ideen und Vorschläge auf die Karten geschrieben, die nun zusammengefaßt dargestellt wurden. Kathrin Rieger-Genennig und Bernhard Krupp stellten die Oberthemen vor, die die Auswertung der Karten ergeben hatte. Danach sind die wichtigsten Themen:

  • Wirtschaft & Arbeit
  • Bildung & Kultur
  • Wohnumfeldgestaltung
  • Kinder & Jugendliche
  • Rabet
  • Bauen & Wohnen
  • Leben & soziales Miteinander
  • Verkehr
  • Image & Öffentlichkeitsarbeit
  • Ordnung, Sicherheit, Sauberkeit und Kriminalität

Besondere Bedeutung spielten die Belange von Kindern und Jugendlichen, die überzeugend in den Arbeitsgruppen ihre Interessen vorgebracht haben. Die Themen Kinder/Jugendliche und Rabet sind auch von besonderer Bedeutung für den Stadtteil. Der Leipziger Osten ist trotz seiner Probleme ein lebenswerter Wohnstandort, der aber unter seinem Image in der Stadt leidet. Das fanden sehr viele Forumsmitglieder, die für eine Image-Kampagne im Rahmen einer gezielten Öffentlichkeitsarbeit für den Leipziger Osten eingetreten sind.
In den Arbeitsgruppen wurden zu den Themen viele kleine Vorschläge und Projektideen zusammengetragen, die alle von der Forumsorganisation gesammelt, ausgewertet und aufbewahrt werden, um sie dann dem Forum wieder bei Bedarf zur Verfügung zu stellen. Keine Idee geht verloren.
Nach einer kurzen Diskussion bedankte sich Petra Hochtritt für die rege Beteiligung trotz des späten Freitagnachmittags und lud alle Anwesenden zum nächsten Forum am 26.01.2001 wieder in den Jugendclub Rabet ein.

Wie geht es weiter? Themengruppen: Kommen Sie dazu!
Am Ausgang lagen viele Listen für die Besucher des Forums bereit. Zu jedem der oben genannten Themen werden sich zukünftig Forumsmitglieder in Themengruppen zusammenfinden, um die im Forum gesammelten Projektideen zu bewerten und vielleicht zu einem Projekt weiterzuentwickeln, das dann im Leipziger Osten umgesetzt werden kann.
Jede Themengruppe wird von einem der bekannten Bürgermoderator(inn)en organisatorisch vorbereitet und langfristig begleitet. Viele Forumsmitglieder haben sich für eine Mitarbeit an den Themengruppen gemeldet; die Möglichkeit, neu hinzuzukommen, besteht jederzeit. Viele, die aus verschiedenen Gründen nicht zum Forum kommen können, haben die Möglichkeit, in den Themengruppen ihre Interessen einzubringen: sei es die Skaterbahn für das Rabet, eine Hundewiese in Anger-Crottendorf oder auch Ideen für ein Café am Ernst-Thälmann-Platz mit Blick auf die Lukaskirche.
Die ersten Gruppentreffen finden sowohl im Bürgertreff Volkmarsdorf als auch wieder im Jugendclub Rabet statt, bei denen die Arbeitsgrundlage erstmal die Arbeitsergebnisse aus dem Forum sein werden. Die Gruppen treffen sich, um thematisch konzentriert (auch mit einem Blick aufs Ganze) zu besprechen, wie die schwierigen Fragen im Leipziger Osten geklärt werden können, ob Projekte überhaupt Chancen haben, wer sie umsetzen kann, an wen man sich in der Stadt Leipzig wenden kann oder – konkret zu klären, welches Unternehmen angesprochen werden kann, das vielleicht einen Computer für eine Schule bezahlen kann. Hier können im Großen die Themen besprochen werden, wie eine Kampagne für den Leipziger Osten wirken soll oder ganz konkret geklärt werden, wer im Arbeitsamt für einen Gesprächstermin angesprochen werden soll. Die Gruppen sind so erfolgreich wie sie von den Mitgliedern getragen werden. Und im Forum können dann die Ergebnisse oder Standpunkte wieder in der großen Runde besprochen werden.
Das erste Forum Leipziger Osten, alles in allem eine gute Veranstaltung, bei der viel mitgearbeitet wurde und das Motto der Auftaktveranstaltung vom 06.10.2000 „Jetzt geht’s los!” mit Leben erfüllt hat. Nun geht es darum, diesen Schwung für eine langfristige Arbeit für den Leipziger Osten fruchtbar einzusetzen.

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Leipziger Osten, Stadtteilmanagement, Quartiersmanagement, Soziale Stadt