
Forum #11 – 01.10.2003
Eisenbahnstraße. Umbau und Zukunft
Die Eisenbahnstraße hat eine Zukunft:
Der bis auf den letzten Platz gefüllte Freizeittreff Rabet zeugte am 1. Oktober beim 11. Forum Leipziger Osten vom großen Interesse an den Einzelheiten des Umbaus der Eisenbahnstraße, der am 5. Januar 2004 starten soll.
Fachleute von Tiefbauamt, LVB, der Bauplan GmbH und dem Amt für Stadterneuerung und Wohungsbauförderung erläuterten die einzelnen Bauschritte und Zeitabläufe, notwendige Umleitungen, vorgesehene Maßnahmen zur Gewährleistung von Anlieferungen, Hilfsangebote für Anwohner, Händler und Gewerbetreibende usw.
Die vorgestellten Bau- und Gestaltungsmaßnahmen fanden im Forum nahezu einhellige Zustimmung: einspurige Fahrbahnen, neue Gleise auf der jeweiligen Richtungsfahrbahn, Straßenbahnhaltestellen mit Kaps, neue Gehwege, markierte Radwege, Baumreihen.

Während des Baus soll für Anlieger weitestgehend eine Fahrtrichtung nutzbar bleiben. Der 30. Juni wird als wichtiges Etappenziel angepeilt: der westliche Teil der Eisenbahnstraße einschließlich Kreuzung Hermann-Liebmann-Straße ist fertig und die Straßenbahn rollt wieder über die neue Brücke nach Schönefeld.
Eisenbahnstraßenmanager: Engagiert und zum Teil kontrovers diskutierte das Forum die Ergebnisse eines Gutachtens zur Zukunft der Eisenbahnstraße als Geschäftsstraße. Es wurde vorgestellt von Dr. Manfred Bauer und Dr. Michael Behling, die als neue Geschäftsstraßenmanager für die Eisenbahnstraße diese Analyse erstellten. Sie kommen zu dem Ergebnis: Ja, die Eisenbahnstraße kann sich – in Teilen – wieder zu einer Einkaufs- und Dienstleistungsstraße entwickeln. Nur die Vorstellungen von der durchgehenden Wiederbelebung der einstmals stolzen Flaniermeile bleiben Wünsche.
Die größten Entwicklungschancen räumen sie dem mittleren Abschnitt rund um die Kreuzung Hermann-Liebmann-Straße als Nahversorgungszentrum ein. Komplizierter wird es im westlichen (etwa zwischen Busse- und Einertstraße) bzw. östlichen (etwa zwischen Ida- und Torgauer Straße) Abschnitt.
Derzeit existieren zwischen Rosa-Luxemburg- und Torgauer Straße 88 Geschäfte, 70 Läden stehen leer. Die Geschäfte sind meist zu klein für kundengerechte Warenpräsentation. Für eine Nahversorgungslage sehr untypisch bieten zwei Drittel der Geschäfte Non-Food-Artikel. Es fehlt ein Supermarkt als Kundenmagnet, dabei reichte die Kaufkraft im Einzugsbereich für mehrere.
Der hohe Ausländeranteil im Viertel, der sich in der ethnischen Vielfalt von Geschäften widerspiegelt, macht die Eisenbahnstraße schon jetzt interessant und ist eine Chance zu ihrer Wiederbelebung. Doch reges Geschäftstreiben kehrt auch nach ihrer grundlegenden Umgestaltung und Verkehrsberuhigung nicht automatisch zurück. Das bedarf gezielter Anstrengung und Bündelung der Kräfte. Hier sehen Bauer und Behling ihr Aufgabenfeld. Als Projektmanager für die Eisenbahnstraße wollen sie deren Händler und Gewerbetreibende vor dem Umbaustart, während der Bauphase und ca. ein Jahr danach begleiten, individuell beraten, sie bei der Mobilisierung von Fördermitteln und im Standortmarketing unterstützen.
Sie streben ein Leerstandsmanagement an, wollen sich für Ansiedlungen (Das A und O für die Zukunft der Straße!) stark machen und Existenzgründungen begleiten. Nach dem Umbau seien sicher fünf Jahre nötig, bis die Straße wieder floriert, schätzt Manfred Bauer ein. Nur mit Nachhaltigkeit lasse sich jetzt das Schicksal der Eisenbahnstraße zum Positiven wenden und durch das Wirken kooperativer Strukturen vor Ort wie etwa der Lo(c)k-Meile.