
Forum #12 – 23.01.2004
3 Jahre Soziale Stadt im Leipziger Osten
Das 12. Forum Leipziger Osten zog Zwischenbilanz nach gut drei Jahren Soziale Stadt und informierte zu folgenden Themen:
- die ersten Projekte,die vom neuen Förderprogramm LOS – Lokales Kapital für Soziale Zwecke gefördert werden
- Überblick der Arbeitsergebnisse der Themen-AG aus dem Forum
- Planungen für Olympia 2012 in Leipzig, insbesondere für den Leipziger Osten
und - ein Film, der unter dem Titel „Die Mariannenstraße ist aber schön geworden” Szenen aus den vergangenen Forumssitzungen als Collage vereinte
Und: ein Aufruf von Rolf „Messer” Müller, der als Vorsitzender der IG Lo(c)k-Meile um Unterstützung für ein Bürgerbegehren zur Umgestaltung des Otto-Runki-Platzes warb. Die IG möchte auf dem Otto-Runki-Platz einen wöchentlich Markt etablieren, auf dem u. a. hochwertige internationale Spezialitäten angeboten werden. Das soll künftig auf weißem Pflaster (nach einer Architektenidee aus dem Künstlerwettbewerb „VorOrtOst”) unter den bestehenden Bäumen geschehen. „Und das Schöne dabei ist”, so Rolf Müller, „die Kunden können mit der Straßenbahn kommen”, und das vielleicht sogar aus anderen Stadtgebieten. „Nebenbei” würde die Einkaufslage an der Eisenbahnstraße aufgewertet. Listen für das Bürgerbegehren liegen in den Geschäften der IG Lo(c)k-Meile aus.
Unter reger Beteiligung der anwesenden Stadträte wurde das Für und Wider diskutiert. Ein Spezialitätenmarkt wird allseits begrüßt. Kritisch sieht diese Idee Susanne Keil vom Stadtplanungsamt: Wochenmarkt ja, aber für das erweiterte Rabet wird das schon lange geplant und an der Umsetzung an anderer Stelle gearbeitet. Außerdem würde dort das Zentrum Hermann-Liebmann-/Eisenbahnstraße gestärkt, dort könnten auch Einkäufe gekoppelt werden, was am Otto-Runki-Platz kaum möglich wäre.
Das Forum nutzte die Gelegenheit, mit den politischen Vertretern des Leipziger Ostens zu diskutieren. Karsten Gerkens, Amtsleiter Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, stellte klar, dass jetzt schnell entschieden werden muss, wenn es anders gemacht werden solle als bislang geplant. Und an die Adresse der Stadträte: „Wir brauchen einfach Klarheit, damit das Geld auch ausgegeben werden kann.” Denn sonst seien die Mittel „unwiderruflich verloren!”
In der Pause tauschte man sich wie gewohnt intensiv aus – z. B. über das Baugeschehen auf der Eisenbahnstraße, begutachtete die Pläne für Olympia und den Eisenbahnstraßen-Umbau oder informierte sich an den Schautafeln über die Arbeit der Themengruppen.
Drei Jahre Soziale Stadt im Leipziger Osten
„Ich wünsche uns, ich wünsche Ihnen einen guten Start auf solidem Fundament und einen langen Atem, kluge Ideen, Projekte, die genau auf die Probleme im Leipziger Osten zugeschnitten sind, und einmal eine gute Zwischenbilanz, die belegt, dass aus den Wünschen und Ankündigungen etwas Substanzielles geworden ist.”
Mit diesem Zitat des OBM zur „Jetzt geht’s los”-Auftaktveranstaltung am 6. Oktober 2000 im Jugendclub Rabet begann Andreas Kaufmann, Stadtteilmanagement Leipziger Osten, seine Bilanz von dreieinhalb Jahren Soziale Stadt im Leipziger Osten.
Die Zwischenbilanz ist gut, Substanzielles, auf das Besondere im Leipziger Osten Eingehende ist im Stadtteil sichtbar, Einiges steht an großen Aufgaben noch bevor: Der Umbau und Erweiterung des Rabet, die Eisenbahnstraße oder Projekte im Handlungsfeld „Soziales Leben im Stadtteil” müssen noch geschultert werden.
Einige Zahlen wurden der Bilanz vorangestellt:
- mit 220.000 m³ umbauten Raums aus Rückbauobjekten wurde 1,5 mal der Uniriese abgefahren
- 1.500 Forumsbesucher
- 1.250 neu gepflanzte Bäume
- 1 Mio Internet-Seitenabrufe auf www.leipziger-osten.de
- 7.000 Besucher bei den 2 Kulturwochen im Leipziger Osten
- 900 Sitzungen im IC-E seit der Eröffnung im März 2002
- ca. 500 Beratungen durch den Koordinator Arbeit etc.
Zu den Fördermitteln aus dem Programm Soziale Stadt konnten aus dem EFRE-„Programm Stadtentwicklung” weitere Gelder akquiriert werden, so dass Mittel für den Stadtteil zur Verfügung stehen. Alle Aktivitäten in Soziale Stadt und EFRE leiten sich aus dem Integrierten Handlungskonzept für den Leipziger Osten ab, in dem in vier Handlungsfeldern die Strategien und wichtigsten Maßnahmen und Projekte festgelegt werden.
- Handlungsfeld A – Wirtschaft und Arbeit: beispielhaft Projekte in Umsetzung, z. B. KMU-Förderung; Koordinator Arbeit/Beschäftigung; Geschäftsstraßenmanagement Eisenbahnstraße, S.O.S. Quartiersservice
- Handlungsfeld B – Stadterneuerung und Stadtumbau: z. B. Erweiterung und Neugestaltung des Stadtteilparks Rabet, Projekte Dunkler Wald/Lichter Hain an der Wurzner Straße; Umbau der Eisenbahnstraße; Weiterführung der Erneuerung von Straßen, Wegen, Plätzen und Gebäuden
- Handlungsfeld C – Soziales Leben im Stadtteil: z. B. Integrations-Projekt Dialog, Quartiersmanagement Neuschönefeld, „OstLichter – Kult(o)ur Leipziger Osten” Kulturwochen im Leipziger Osten, oder auch Projekte Neue Methoden Präventiver Sozialberatung, Arbeit und Beratung im Sozialen Raum
- Handlungsfeld D – Gebietsmanagement und Kooperation: Forum Leipziger Osten mit Themen-AGs, Stadtteilmanagement und IC-E Info-Center Eisenbahnstraße 49, vielfältige Öffentlichkeitsarbeit
Andreas Kaufmann zieht eine positive Zwischenbilanz mit vielen Projekten, einem funktionierenden Netzwerk und guter Zusammenarbeit von Trägern und Ämtern. Er sieht aber weiteren Handlungsbedarf, um die Impulse für den Leipziger Osten fortzusetzen und weiterhin handfeste Erfolge bei der Verbesserung der Lebensqualität im Leipziger Osten zu erreichen.
Karsten Gerkens betont abschließend, dass die guten Ansätze auch fortgeführt werden. Die größte Aufgabe allerdings ist, dass die Stadt Leipzig weiterhin die Grundfinanzierung sichern kann: „Das Geld steht bereit. Wir können dieses Geld aber nur abholen, wenn wir die kommunalen Eigenanteile haben.” Und weiter: „Ohne diese Investitionen, ohne Eisenbahnstraße, Rabet, Wurzner Straße und echte Veränderungen, die richtiges Geld kosten, können wir den nötigen Image- und Qualitätswandel nicht erreichen.”
Das machte einiges klar: es wurde viel erreicht, eine positive Zwischenbilanz mit vielen positiven Zahlen. Aber: genauso liegt aber noch einiges an Arbeit vor uns. Dazu wird die Unterstützung der Politik dringend gebraucht. Es waren ja viele Stadträte da, im 12. Forum Leipziger Osten ...
Aus den Themenarbeitsgruppen
Seit dem 2. Forum entwickeln Themenarbeitsgruppen Ideen und streiten für deren Umsetzung. Die derzeit fünf aktiven Gruppen nehmen immer gern neue Interessenten in ihre Runde auf. Zwar ließen sich nicht all ihre Ideen umsetzen, aber sie können auf viel Realisiertes zurückschauen.
AG Wirtschaft und Arbeit – „Ohr am Stadtteil”, Ideengeber und Konzeptentwickler zwischen den Unternehmen, Beschäftigungsträgern, Stadt Leipzig und Arbeitnehmern sowie Arbeitsuchenden im Leipziger Osten: u.a. Unterstützung bei der Ansiedlung von 120 Arbeitsplätzen, bei der Überlegung, ob Gewerbehöfe ein Lösungsweg für den Leipziger Osten darstellen, beim Projekt Spurensuche usw. Künftig soll geschaut werden, wie das wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Konzept für den Leipziger Osten umgesetzt werden kann.
AG Bauen und Wohnen – Kommunikationsplattform und arbeitende Gruppe, die sich projektbezogen neu zusammenfindet und die Projektumsetzung begleitet: unbestrittenes Highlight ist das Vereinshaus Dresdner Str. 82, das maßgeblich in Kooperation von AG und Eigentümer vorangebracht wird. Leider waren Bemühungen der Gruppe besonders zur Weiterentwicklung der östlichen Eisenbahnstraße nicht von Erfolg gekrönt, da sich die Rahmenbedingungen als nicht günstig erwiesen. Als nächstes geplant: die Begleitung des Umbaus der Eisenbahnstraße.
Stammtisch SOS (ehem. AG Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit) – Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger aus dem Leipziger Osten, die persönlich betroffen sind und sich einbringen wollen, um Missstände zu beseitigen: verstärkte Hinwendung zu Themen der „Problemlandkarte” aus dem 8. Forum, z. B. mit „Frühjahrsputz”, Aktionen gegen illegale Graffiti.
AG Kultur, Jugend, Soziales – Vernetzung der Akteure im Stadtteil: vielfältige Ideen und umgesetzte Projekte, auch zur kritischen Begleitung des Stadtteils im Wandel, z. B. Kunstaktion Hedwigstraße, Performance Transformation im Keller der Alten Markthalle, Organisation der Station des Massala-Musiktrucks am Rabet, das Musikfest „Crossover”, maßgebliche Beteiligung an der jährlichen „OstLichter – Kult(o)ur Leipziger Osten” usw. usw. Ideen für ein Theater-Spektakel am Neustädter Markt und ein Open-Air-Forum Leipziger Osten am Eilenburger Bahnhof werden entwickelt.
AG Image verzichtete auf eine Präsentation: Grundlagen und aktueller Arbeitsstand für ein Imagekonzept (der Leipziger Osten als „kerniges Viertel”) und viele Image verbes-sernde Projekte wurden bereits auf dem 11. Forum vorgestellt.
Für alle Themenarbeitsgruppen und die Motivation ihrer Mitglieder ist von ausschlaggebender Bedeutung: „Es muss sich immer ein Stück weiter bewegen!” wie Dr. Winfried Haas, AG Bauen und Wohnen, betonte.
Die Olympischen Spiele 2012 in Leipzig – Impulse auch für den Leipziger Osten
„Einmalig” wird die deutsche Bewerbung um die olympischen Sommerspiele 2012 in Leipzig und Rostock werden: Die Spiele werden die Begegnung zwischen Athleten, Besuchern und Leipzigern erreichen wie in kaum einer Olympia-Stadt zuvor. Über 90 % aller Medaillen werden in einem 10 km-Radius um die Innenstadt und um das Olympische Dorf vergeben. Die Leipziger Innenstadt wird das Herz der Spiele sein. Die Spiele konzentrieren sich überwiegend auf 6 „Cluster”, die Schwerpunktbereiche: das sind die hervorragend erschlossene Leipziger Messe als Ballsportzentrum im Norden der Stadt, das Alte Messegelände mit den Kampfsportarten und dem Beachvolleyball im (dann allerdings sandgefüllten!) Bassin am Völkerschlachtdenkmal, im Neuseenland z. B. mit dem Kanuslalom am Markkleeberger See oder dem Mountain Biking an der Halde Trages. Der wichtigste Standort ist dabei aber auch der mit der größten Sporttradition: der Olympiapark rund um das Sportforum. Dabei sind die Highlights: das Olympiastadion, das am Platz der Kleinmesse für 80.000 Zuschauer gebaut wird und dann zurückgebaut mit 15.000 Zuschauern eine tragfähige Nachnutzbarkeit gewinnt, das über der Elster gespannte Schwimmstadion und als absolutes Olympia-Novum (wenn im Umwelt-Verfahren alles gut geht): die olympischen Ruderwettkämpfe im Elsterflutbecken! Das Olympische Dorf wird für 17.000 Bewohner während der Spiele am Lindenauer Hafen neu errichtet, der dafür auch mit dem Karl-Heine-Kanal verbunden wird. Das Dorf steht danach als attraktiver Wohnstandort am Wasser für die Leipziger bereit. Hier sowie am Standort des Olympischen Medienzentrums am Freiladebahnhof Ost wird auch ein weiteres Leitmotiv der Leipziger Bewerbung deutlich.
Der Leiter des Olympia-Planungsstabes der Stadt Leipzig Dr. Oliver Weigel verdeutlichte es bei seinem Statement im Forum: Absicht sei es, „die seit längerer Zeit formulierten Ziele und Perspektiven für Leipzig mit den Spielen zu befördern” und „nicht die Stadt an die Spiele anzupassen”. Und dabei komme der Leipziger Osten beispielhaft zum Zuge:
In der Beherbergung gehe Leipzig mit dem Konzept der Residenz-Hotels einen intelligenten Weg. Kapazitäten werden temporär zugeschaltet. Stadtwohnungen werden vor den Spielen saniert, von Beherbergungs-Profis, z. B. Hotels betrieben und stehen dann als konkurrenzfähige Objekte dem Markt zur Verfügung. Der Leipziger Osten ist dabei mit dem Bereich um die Mariannen-/Idastraße in Volkmarsdorf ein zentraler Standort. Am Freiladebahnhof Ost entsteht das Olympische Medienzentrum mit den Unterkünften für 5.000 Journalisten. Das Besondere hier: alle Unterkünfte werden temporär sein, nach 2012 wird auf der Fläche der schon lange geplante Park an der Rosa-Luxemburg-Straße entstehen und die Lebensqualität rund um den Neustädter Markt deutlich verbessern.
Doch bis dahin seien noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen: der Fragebogen, nach dem entschieden wird, ob Leipzig den Schritt von der Bewerber- zur Kandidatenstadt schafft (z. B. gegen Paris oder New York), wurde unlängst dem IOC übergeben. Derzeit wird mit Hochdruck am Bewerbungsbogen gearbeitet, der dann vom IOC geprüft wird und nach dem es vielleicht im Juni 2005 in Singapur heißen wird: And the Winner is – Leipzig. Der Leipziger Osten wird mitgewinnen.
Schön wär's gewesen ...