
Forum #15 – 08.07.2005
Sozialer Brennpunkt: Leipziger Osten?
Wichtige Maßnahmen des Stadtumbaus im Leipziger Osten sind erfolgreich umgesetzt: „Neue Eisenbahnstraße“, Stadtteilpark Rabet, erste Teile von „Dunklem Wald” / „Lichtem Hain”. Auf Grundlage der KMU-Förderrichtlinie wurden im ersten Jahr ihrer praktischen Umsetzung 30 Unternehmen bei Investitionen bzw. Neuansiedlung im Leipziger Osten unterstützt. Der Beteiligungsprozess Forum Leipziger Osten begleitet erfolgreich die Veränderungen. Projekte wie die Quartiersmanagements für Volkmarsdorf und Neuschönefeld, das Integrationsprojekt DIALOG oder das Projekt Kitas im Blick tragen zur Verbesserung der Lebensqualität im Viertel bei.
Dennoch stehen wir bei der Lösung der gravierenden sozialen Probleme im Leipziger Osten noch am Anfang. Soziale Polarisierung und schwach ausgeprägte Wirtschaftsstruktur, Stolpersteine im Integrationsprozess und geringe politische Beteiligung kennzeichnen die komplizierte Lage im Fördergebiet. Hinzu kommt die von Medien oft gestützte, mehrheitlich auf die Konflikte verengte öffentliche Wahrnehmung des Leipziger Ostens.
Wie stellt sich die Lage heute tatsächlich dar? Wie hat sich die Situation der Bevölkerung im Leipziger Osten seit Start der Fördermaßnahmen verändert? In welchem Maße können Projekte im sozialen / kulturellen Bereich unter den schwieriger gewordenen Bedingungen für die Fortführung der Stadterneuerung weiter gefördert werden? Welche Probleme sind aus Sicht der Akteure vor Ort, der Einwohner, ihrer politischen Interessenvertreter und der Verwaltung vorrangig zu lösen und welche Möglichkeiten dafür haben wir?
Die Entwicklung im Stadtteil verläuft widersprüchlich: Positiv fällt auf, dass die Bevölkerung wächst, der Stadtteil jünger wird. Problematisch stellt sich allerdings dar, dass auch die Zahl der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger zunimmt. „Die positiven Tendenzen dürfen nicht abbrechen, an den negativen Tendenzen müssen wir arbeiten", konstatierte Andreas Kaufmann, Stadtteilmanagement Leipizger Osten.
Im Forum wurden mögliche Wege hin zu einem „sozial integrierten Stadtteil“ aufgezeigt und diskutiert. Ideen sind auch weiter gefragt, um ein notwendiges Programm für nachhaltige soziale Integration im Leipziger Osten zu entwickeln. Dabei sind die Stärkung bürgerschaftlichen Engagements genauso unabdingbar wie tatkräftige politische Unterstützung. Und: Soziale Arbeit braucht Zeit, Früchte zu tragen.
Zur Zeit werde allerdings nicht deutlich genug, was alles im Stadtteil geleistet wird. Und so resümiert Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung: „Hier müssen wir dran bleiben, den besonderen Vorteil des Stadtteils auch gebührend herauszustellen. Sachorientierte Qualität der Kooperation ist in anderen Stadtteilen so nicht zu beobachten - ein Pfund, mit dem man wuchern kann."
Die Projekte im Leipziger Osten sind gut, die Vernetzung funktioniert, die Kooperation ist vorbildlich. Wichtig ist, anstelle der Betonung von Defiziten und Problemen stärker die Ressourcen und Entwicklungschancen des Stadtteils und seiner Bewohner ins Blickfeld zu rücken und im Gespräch zu bleiben.
