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Forum #17 – 24.03.2006
Familienfreundlicher Osten – Wunsch oder Wirklichkeit?

Die Bevölkerung im Leipziger Osten wächst wieder

Allein in den letzten vier Jahren hat sie um sieben Prozent zugelegt. Hier wohnen mehr junge Leute als anderswo. Immer mehr Studenten und junge Familien entdecken die Möglichkeiten, die ihnen das Viertel bietet, und nutzen bestehende Freiräume, z. B. für individuelles Wohnen, kreatives Arbeiten und gestaltende Mitwirkung im Stadtteil.
Auch die Zahl der hier lebenden Kinder nimmt zu. Aber wie familienfreundlich ist der Leipziger Osten? „Es bedarf eines ganzen Dorfes, um ein Kind zu erziehen“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. Wie wird der Leipziger Osten den Anforderungen an ein funktionierendes „Dorf“ gerecht? Umfragen vor Ort ergeben dazu ein uneinheitliches Bild, die Meinungen gehen auseinander.

Familienfreundliches Leipzig

Das 17. Forum diskutierte über die Stärken und Schwächen des Leipziger Ostens in punkto Familienfreundlichkeit u. a. mit dem Leiter des Jugendamtes Dr. Siegfried Haller und der Beauftragten für die Gleichstellung von Frau und Mann Genka Lapön.
Leipzig will eine der familienfreundlichsten Städte Deutschlands werden! Das haben sich vor allem der seit 2000 arbeitende Kinder- und Familienbeirat der Stadt sowie das 2004 gegründete lokale Bündnis Familienstadt Leipzig (aus Unternehmen, Eltern, Einrichtungen, Verwaltung, Politik usw.) auf ihre Fahnen geschrieben. Zudem bekennt sich der Stadtrat fraktionsübergreifend, alles zu tun, um in Leipzig dauerhaft eine ausgeglichene Altersstruktur zu schaffen.
Dafür gelte es, ein ganzes Maßnahmepaket umzusetzen, etwa verstärkt junge Familien mit Kindern für innenstadtnahes Wohnen zu gewinnen, erläuterte Jugendamtsleiter Dr. Siegfried Haller dem 17. Forum Leipziger Osten am 24. März 2006. Und er betonte: „Eine große Rolle kommt dabei dem Leipziger Osten zu.”

Beispielhafter Leipziger Osten

Hier ist Raum für unkonventionelle Ideen und es besteht ein funktionierendes Netzwerk aktiver Bürger. Zudem treiben Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) und Jugendamt gemeinsam die Sanierung und Aufwertung der indereinrichtungen voran. Inhaltlich gewinnt z. B. die Stärkung von Sprachkompetenz, Sprachbildung, Familienorientierung an Bedeutung. „Wir sehen gute Chancen, den Leipziger Osten kinder- und familienfreundlich beispielhaft zu entwickeln”, erklärt Haller.
ASW-Amtsleiter Karsten Gerkens unterstützte dies: Stadterneuerung bedeute auch mehr Zuwendung zu Familien, stärkere Berücksichtigung der Belange von Kindern und Jugendlichen in allen Bereichen. „Gegenwärtig denken wir darüber nach, mit welchen Projekten wir uns am Wettbewerb um Fördergelder der nächsten Förderperiode ab 2007 beteiligen können”, erläuterte er.
Für innovative, gerade auch soziale Projekte wolle die Bundesregierung im Rahmen des Programms „Soziale Stadt” sogar mehr Mittel bereitstellen. Im Leipziger Osten wären diese Mittel auch am richtigen Platz, denn dieser Stadtteil ist heute jünger als die gesamte Stadt, hier gibt es wieder einen Geburtenüberschuss. Zuwandernde sind mehrheitlich zwischen 20 und 40 Jahren alt und haben Kinder.

„Man kann hier Kinder groß ziehen!”

Das unterstrich nachdrücklich der seit 1992 mit Frau und vier Söhnen in Neuschönefeld lebende Mathematiker Stefan Lange (43). „Man muss aber alles, was vorhanden ist, viel mehr öffentlich machen. Schlechtredner haben meist keine Kinder oder wohnen gar nicht hier. Nicht maulen, herkommen und angucken!” fordert er.

Kulturelle Lebensvielfalt, Freiräume für Ideen, das Miteinander unterschiedlicher Nationalitäten sind auch für die zweifache Mutter Birgit Simmank (29) von Vorteil. Die Fremdsprachenkorrespondentin sieht den damit verbundenen frühzeitigen Erwerb sozialer Kompetenz und Achtung vor dem, wer und was anders ist, als wichtig für Kinder an.
Natürlich fehle es noch an manchem im Quartier, bestätigten beide Eltern wie auch weitere Forumsteilnehmer, darunter Eltern aus deutschen und Migrantenfamilien im Stadtteil sowie Vertreter von Kindereinrichtungen, Schulen, Vermietern und städtischen Ämtern. Doch das, was sich tut, stimme optimistisch. Das bestätigten vor allem die Aussagen der in einem Film befragten Kinder im Viertel. Unter den befragten Erwachsenen erstaunte, dass die selben Dinge, sehr subjektiv, von den einen als positiv, von anderen als negativ bewertet wurden.

       

Ein Fazit

Am Ende der erfreulich lebhaften, streitbaren, dabei auch konstruktiven Diskussion zeigte sich, der Leipziger Osten ist familienfreundlicher als oft behauptet, noch bestehende Defizite können gemeinsam schrittweise überwunden werden.
Moderatorin Kathrin Rieger-Genennig fasste wichtige Handlungsanregungen zusammen: mehr Betreuungsangebote schaffen, die Vorbereitung der Kinder auf den Schuleintritt verbessern, familienfreundliches Bauen und Wohnen fördern, die Kommunikation im Programmgebiet zum Thema Familienunterstützung verbessern, ein Kinder- und Jugendforum vorbereiten, ein Gymnasium im Viertel einrichten.
„Das heutige Forum war ein sehr streitbares”, resümierte Petra Hochtritt, Programmsteuerin im ASW, „viele gute Ideen wurden angesprochen. Jetzt müssen wir prüfen, welche davon wir mit welcher Unterstützung umsetzen können.”

Damit auch Familien mit Kindern am 17. Forum teilnehmen und die Eltern sich rege an der Diskussion beteiligen konnten, kümmerten sich Mitarbeiter des Freizeittreffs Rabet um den mitgebrachten Nachwuchs.

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Leipziger Osten, Stadtteilmanagement, Quartiersmanagement, Soziale Stadt