
Forum #2 – 26.01.2001
Visionen und Projekte
Am Freitag, 26.01.2001, tagte das Forum Leipziger Osten im Jugendklub Rabet nahe der Eisenbahnstrasse zum zweiten Mal. Mehr als 140 Bürger und Vertreter von Institutionen und Vereinen waren wieder gekommen, um gemeinsam über die Entwicklung im Leipziger Osten zu diskutieren.
Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, betonte in seinem Eingangsbeitrag, wie wichtig die Zusammenarbeit von Bürgern und Verwaltung im Leipziger Osten ist. Neue Ideen entwickeln, sich darüber austauschen und Chancen entdecken, die so deutlich nur aus dem vertrauten Blickwinkel der Bewohner gesehen werden können. Nochmals rief er zur Mitarbeit auf und verdeutlichte die Chancen von Projekten und Visionen im Stadtteil.
Anschließend informierte Stadtteilmanager Andreas Kaufmann über den optimalen Weg einer Idee durch das Forum zu Erfolg im Stadtteil.
Moderatorin Kathrin Rieger-Genennig eröffnete gemeinsam mit Moderator Burkhard Krupp die Vorstellung der Ergebnisse aus den 10 Arbeitsgruppen, in denen Forumsteilnehmer nach Themenschwerpunkten zwischen den Sitzungen gearbeitet haben. Hier wurde in den Gruppen der Ideenpool aus dem ersten Forum nach Umsetzbarem untersucht und viele Ansatzpunkte aus der Gruppenarbeit bis hin zur fertigen Projektidee präsentiert. Das nahm einige Zeit in Anspruch, waren doch viele Ideen durch die Arbeitsgruppen aufgerufen und näher beschrieben worden.
In der wohlverdienten Pause stand nicht nur ein kleiner Imbiß, sondern für Interessierte auch ein Computer mit Internetzugang zur Homepage www.sozialestadt.de bereit. Frau Böhme vom Deutschen Institut für Urbanistik (DIfU) führte durch die Seiten. Angeregte Gespräche setzten den Dialog der vorangegangenen Stunden fruchtbar fort, viele Bürger entschlossen sich spontan, in einer der Themengruppen mitzuarbeiten.
Über Visionen von Bürgern und Planern, Wohnungswirtschaftlern und Architekten berichtete Frau Siemen vom Stadtplanungsamt. Sie stellt die Zwischenergebnisse des Gutachterverfahrens zum Leipziger Osten vor, die zum nächsten Forum detailliert vorliegen sollen. An der Erarbeitung ist auch ein Bürgerteam beteiligt, das regelmäßig fast 25 Leute vereint, sich gemeinsam über die Zukunft des Stadtteils Gedanken zu machen.
„Kindern gilt der Vorzug, auch wenn die Redezeit knapp ist!” Frau Hochtritt ermutigte die Schüler des Felix-Klein-Gymansiums, Ihre Wünsche vorzutragen. Ihre Schule droht geschlossen zu werden. Die Schüler und Schülerinnen wollen das verhindern und zeigen auf, was eine Schließung für den Leipziger Osten bedeuten würde. Die Mitglieder des Forums sichern die volle Unterstützung zu und fordern das Stadtteilmanagement auf, dieses Votum weiterzutragen.
An diesem Abend war klar: die Bürger nutzen das Forum Leipziger Osten interessiert. Es wurde über Projekte und Visionen ausgiebig diskutiert. Es wird der Entschluss gefestigt, mit dem Programm Soziale Stadt und der Kraft vieler Einzelprojekte den Leipziger Osten schrittweise zu einem wohnlichen, kulturell interessanten, aber auch gewerblich gefragten Standort zu entwickeln.
Das nächste Forum wird am 4. Mai zu dem Thema Wirtschaft und Arbeit tagen. Sie sind schon jetzt herzlich dazu in den Jugendclub ab 14.30 Uhr eingeladen.
Frau Fichtner kämpft für die Händler der Eisenbahnstraße
Kurz vor der Pause ergriff Frau Fichtner, Boutiquenchefin und engagiert in der Interessengemeinschaft Eisenbahnstraße, das Wort und mußte ihren Ärger loswerden. Sie fand es ungerecht, daß aus der Stadtverwaltung der Vorschlag gemacht wurde, leerstehende Ladenlokale zu besonders günstigen Mieten abzugeben, wogegen sie sagt, daß sie selbst noch mit den Folgen völlig überzogener Mietforderungen aus Verträgen der Nachwendezeit zu kämpfen habe. Frau Fichtner äußerte die Befürchtung, daß mit den Billigmieten auch nur Billiganbieter angezogen würden, die nichts zur Verbesserung der Eisenbahnstraße beitragen würden. Leider mischten sich in die dann hitzig geführte Diskussion fremdenfeindliche Äußerungen, gegen die sich Moderation und viele andere Forumsmitglieder entschieden verwehrten. Mittlerweile konnten im direkten Gespräch zwischen der IG Eisenbahnstraße und der Stadtverwaltung Mißverständnisse ausgeräumt werden und eine Zusammenarbeit vereinbart werden.
Wie wird eine Idee zum Projekt?
Das Forum stand unter dem Thema: Projekte und Visionen. Projektideen wurden eine Vielzahl bereits im ersten Forum von den Teilnehmern gesammelt. Die Themenarbeitsgruppen haben sie alle ausgewertet und besprochen, welche die wichtigsten sind. Doch wie geht es dann weiter? Andreas Kaufmann, Stadtteilmanager, erläuterte, wie eine gute Idee umgesetzt werden kann: Zurerst wird in den Themengruppen festgelegt, welche Projekte wirklich gut geeignet und dann auch umgesetzt werden können. Dann sollen Projektpartner – auch aus der Gruppe – gesucht werden. Ansprechpartner sind dabei die Ämter und natürlich das Stadtteilmanagement, die Konzept und Fördermöglichkeit prüfen. Wenn die Idee vielversprechend ist, sollen die Teilnehmer des Forums Leipziger Osten darüber sprechen und eine Empfehlung geben. Anschließend wird die Finanzierung geklärt, ein Projektzeitplan festgelegt und – wenn alles gut läuft – ein Träger mit der Umsetzung betraut.
So weit die Theorie, jetzt gilt es, die ersten Projekte schon zum Erfolg zu führen: z. B. die Atriumbühne, ein Haus der Begegnung oder einen Logowettbewerb.
Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums gegen die Schließung
Eine Gruppe von Schülern und Lehrern des Felix-Klein-Gymnasiums wandte sich mit der Forderung an das Forum, daß die geplante Schließung ihrer Schule unbedingt verhindert werden muss. Sie sagten auch, warum;
Das Gebiet von Sellerhausen,Volkmarsdorf, Schönefeld und Anger-Crottendorf würde somit kein Gymnasium mehr haben. Für das gesamte Gebiet sinkt die Attraktivität für junge Familien mit Kindern. Ohne dieses Gymnasium werden viele Schüler fast unzumutbar lange Schulwege haben und damit weniger Zeit für Schularbeiten oder für ihre Freizeit.
Dabei pflegt die Schule eine enge Zusammenarbeit mit den Stadtteil: es gibt eine lange Tradition, die die Schule mit ihrem Stadtteil verbindet. Ein Projekt solcher Zusammenarbeit ist z. B. das Projekt Senioren ans Netz: Hier wollen Schüler und Lehrer gemeinsam Senioren den Umgang mit den Internet näher bringen.
Feste werden veranstaltet, die nicht nur für die Schule, sondern für alle zugänglich sind. Bei Stadtteilfesten tritt der Schulchor auf oder die Theater-AG führt ein Stück auf.
Für die Schüler des Gymnasiums ist es völlig unverständlich, warum eine mit viel Geld sanierte Schule, in der sich die Bedingungen für Schüler und Lehrer wirklich verbessert haben, nun geschlossen werden soll.
Deshalb forderten die Schüler das Forum auf, sich dafür einzusetzen, dass das Felix-Klein-Gymnasium nicht geschlossen wird. Die Teilnehmer des Forums unterstützten die Schüler und Schülerinnen einstimmig.
Let’s go east: Neue Ideen und Visionen für den Leipziger Osten
Im ersten Forum wurde noch gefragt, wie die Strukturen im Leipziger Osten verändert werden können und die Chancen genutzt werden, die durch Brachen und Leerstand entstanden sind. Jetzt haben Architekten, Landschaftsplaner, Wohnungswirtschaftler und Bürger sich bereits konkretere Gedanken über die Zukunft des Leipziger Ostens gemacht. Frau Siemen vom Stadtplanungsamt stellte die Ideen kurz vor. Dabei beschrieb sie besonders die Idee, das Rabet als Kernstück einer „Zone” zu entwickeln, die als grünes Band den Stadtteil durchmißt und zur Verbesserung des Grünangebots auch gezielt Gebäude abreissen möchte. In „Geduldsfeldern” soll dagegen die Erneuerung „animiert” werden, in anderen Gebieten soll grundstücksorientiert und kleinteilig der „Umbau auf der Parzelle” geschehen. Das Bürgerteam hat neben vielfältigen Ideen zur Landschaftsgestaltung eine gartenstadtähnliche Vision vom Leipziger Osten und sagt: mehr Grün in die Stadt, dazu kann man auch mal einen Häuserblock öffnen, um mehr Qualität zum Wohnen zu haben.
Zum nächsten Forum sollen dann die Ergebnisse der letzten Phase des Gutachterverfahrens diskutiert werden: Die Hirschwiese am Hauptbahnhof oder schon ganz konkrete Lösungen, wie denn der Blockdurchbruch für Licht, Luft und Sonne umgesetzt werden kann. Wir sind gespannt!