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Forum #3 – 04.05.2001
Wirtschaft und Arbeit

„Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts”
Mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und Arbeit wurde das 3. Forum durch Stadtteilmanagerin Petra Hochtritt eröffnet. Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung, fand sofort zu Beginn deutliche Worte: „Die Situation ist dramatisch.” Von den Arbeitsplätzen hängt gerade im Leipziger Osten viel ab. Stabile Verhältnisse sind noch längst nicht erreicht. Zur Zeit werden auch Gelder für ein neues Förderprogramm beantragt, um die lokale Projekte noch intensiver zu fördern. Allerdings gilt auch hier wie im Programm Soziale Stadt: ohne Eigeninitiative läuft nichts. Aus dem Leipziger Osten müssen gute Ideen kommen, dann können vielleicht einige Projekte erfolgreich sein. Dazu soll auch das 3. Forum beitragen.

„Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.” Michael Sperlich vom Bildungswerk der sächsischen Wirtschaft e. V. und dem Kernprojekt Lokale Beschäftigungsentwicklung zeigt, dass die Unternehmen im Leipziger Osten nur kleine Spielräume für neue Jobs haben, weil es vielen nicht besonders gut geht. In einer Befragung erwarteten nur 15% der Unternehmer zukünftig steigende Umsätze. Viele Unternehmen sind mit ihrem Umfeld auch nicht zufrieden: z. B. mit Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit. Ein großer Teil der Unternehmen besteht nur aus dem Inhaber selbst, es gibt viele kleine Einzelhändler und zu wenig Dienstleister oder Industriebetriebe. Zu Recht fragt Herr Sperlich dann, woher denn bei niedrigen Einkünften für die Beschäftigten auch das Geld kommen soll, im Stadtteil einzukaufen. Da schließt sich der Kreis wieder. Aber, das muss auch festgestellt werden: bei den Unternehmen selbst gibt es noch einiges zu tun. Vieles kann verbessert werden, um ein Überleben am Markt überhaupt zu sichern: „Beim Umgang mit dem Computer liegen wir um Lichtjahre zurück.” Wie können die Unternehmen den Anschluss schaffen? Diese Frage bewegte auch die Unternehmer selbst, als sie zu einem Workshop der Themenarbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit Anfang April kamen. Ein Schlüssel, so Marlette Kirste vom Existenzgründerzentrum, liegt in einer besseren Zusammenarbeit. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, und der ist hier im Leipziger Osten das Paunsdorf Center. Die Händler der Eisenbahnstraße haben es schon vorgemacht, nun können alle Unternehmen davon lernen und in gemeinsamer Arbeit die Probleme lösen helfen. Und dazu muss man nicht erst die Eisenbahnstraße überdachen.

Achim Lohse vom Amt für Wirtschaftsförderung sieht viele gute Chancen für das Gebiet der Sozialen Stadt: es liegt nah an der City, es gibt viele günstige Flächen und eine sich stetig verbessernde Zusammenarbeit im Gebiet. Ein Branchenführer soll für die Menschen, die im Stadtteil Volkmarsdorf leben, gedruckt werden, um die Angebote in der Nachbarschaft bekannter zu machen.
Im Schwerpunkt fehlte erst noch der Bereich Arbeit, denn zur Wirtschaft wurde schon viel berichtet. Im Leipziger Osten gibt es viele Beschäftigungsmaßnahmen, auch auf Plätzen und Straßen. Jeder kennt den bfb, der gerade eine große Baumaßnahme an der Eisenbahnstraße fertig stellt. Damit alle Maßnahmen zueinander passen und das Geld im Stadtteil gut angelegt wird, wird ein Koordinator Arbeit gebraucht. Seit dem 1. Mai ist dafür Karl-Heinz Händel im Rahmen der Sozialen Stadt zuständig, der sich dem Forum als erfahrener Kenner von Arbeitsmarkt und Beschäftigungsförderung vorstellte. Als erstes wird er einen Überblick über alle Maßnahmen zusammenstellen, um dann später die richtigen Hinweise für eine verbesserte Organisation geben zu können.
Die Themenarbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit aus Bürgern, Unternehmern und weiteren Personen hat erst einmal schwerpunktartig den Blick auf die Unternehmen gelenkt und mit den neuen Projekten die Wege aufgezeigt, wie in Zusammenarbeit Probleme besser angefaßt werden können. Für Existenzgründer und Arbeitnehmer soll es dann ein weiteres Treffen geben.

Let’s go east: Neue Ideen und Visionen für den Leipziger Osten
„Konzeptioneller Stadtteilplan”, diesen Begriff versuchte Heinrich Neu vom Leipziger Stadtplanungsamt zu erklären. Visionen für den Leipziger Osten werden aufgezeichnet, die dann Perspektiven und Leitlinien für die reale Entwicklung vorbereiten sollen. Neben Architekten, Stadtplanern, Landschaftsplanern und Wohnungswirtschaftlern der LWB haben sich Bürger schon für diesen Plan Gedanken über die Zukunft des Leipziger Ostens gemacht.
Die Bürger im Team, die alle freiwillig mitgemacht haben, wagten sich weit in die Zukunft des Stadtteils und haben einen neuen „Baedeker” erarbeitet, nur für den Leipziger Osten und gültig erst im Jahr 2030. Die 25 Beteiligten haben unter Moderation der Agentur Doppelspitze unzählige Ideen nach fünf Tourvorschlägen geordnet und der Titel ist das Programm: „Wege durch den Grünen Osten – Leipziger Osten 2030”. Auf der ersten Tour werden die Ideen der Gartenstadt für den Umbau des heutigen Wohnungsbestandes angewendet. „Neues Leben in alten Häusern” soll wieder einkehren, der Leerstand wird als Chance betrachtet, z. B. Kaufhäuser nur für Senioren oder den Kinderladen „Sorgenfrei” einzurichten. Frau Bernhard aus der Bürgergruppe wünscht sich Unverwechselbares, z. B. „grüne Finger in die Stadt” zu holen und für Familien ländliches Wohnen auch in Reudnitz zu ermöglichen. Die Feldstraße wird zum „Feldrain”, die Rietzschke kommt ans Licht und auf der Brache an der Wurzner Straße kann man Fußball spielen. Und einen Skaterhighway vom Gerichtsweg über den Eilenburger Bahnhof zum Stünzer Park soll es auch noch geben, im Jahr 2030, wenn der Reiseführer dann überall zu kaufen ist. „Eine ganze Menge Stoff zum Weiterarbeiten”, so das Resümee vom Moderator Ralf Elsässer. Heinrich Neu äußerte die Hoffnung, dass man mit einigen Projekten gar nicht so lange warten müsste, hier könnte z. T. schon bald mit der Umsetzung begonnen werden.

Der große Infomarkt: Projekte für den Leipziger Osten
Forums-Moderatorin Kathrin Rieger-Genennig lud alle 160 Teilnehmer zu einem Rundgang durch den Jugendfreizeittreff Rabet ein, in dem an jeder verfügbaren Stelle eine der acht Arbeitsgruppen ihre Projektideen und Umsetzungsvorschläge auf Infotafeln zu Papier gebracht hatte. Die Arbeitsgruppen standen jeweils mit einem Vertreter auf dem Infomarkt als Ansprechpartner zur Verfügung. Eine Vorstellung in der großen Runde hätte den ganzen Abend in Anspruch genommen, zum Infomarkt konnte jeder Besucher nach seinen Interessen die Ansprechpartner aus den Arbeitsgruppen mit Fragen löchern oder nach Möglichkeiten zur Mitarbeit suchen. Ein Imbiss stand ebenfalls bereit, der besonders von der großen Zahl der jungen Besucher ausgiebig besucht wurde...

Einige Projekte befinden sich bereits kurz vor der Umsetzung, so z. B. die Atriumbühne im Rabet, die gemeinsam mit Jugendlichen wieder bespielbar gemacht werden soll. Die Eröffnung ist schon für das 4. Forum am 10. August geplant. Jugendliche aus dem Rabet arbeiten an einer eigenen Homepage, erstellen Programmflyer und machen sich Gedanken, wie die Beleuchtung im Rabet verbessert und ein Freisitz eingerichtet werden kann.
Die AG Bauen und Wohnen hat nach einem Stadtteilrundgang konkrete Ideen für einen Schulgarten auf einer Brachfläche in der Nähe des Neustädter Markts, einen Einwohnerpark am Torgauer Platz und die Nutzung einer alten Tankstelle als Landmarke im Gebiet der Sozialen Stadt. Ein Haus der Begegnung mit viel Platz für alle Vereine aus dem Stadtteil, mit Freizeitangeboten, einer Küche und einem großen Veranstaltungsraum möchte die Gruppe Leben & Soziales Miteinander einrichten. Sie machen sich gerade Gedanken, wie ein solches Haus geführt werden kann und welches Gebäude sich dafür besonders eignen würde, damit man schnell anfangen kann.

Einen Stadtteilrundgang für Touristen und Einheimische möchte die AG Bildung und Kultur mit Kindern und Jugendlichen zusammenstellen, der an schöne und unbekannte Orte des Stadtteiles führt. Ein Projekt namens „Ostentdeckungen”, das bereits unter Trägerschaft des Geyser-Hauses arbeitet, bereitet u. a. eine Installation zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Leipziger Osten vor: vielleicht im Straßenbahnhof Reudnitz?

Stars oder Flops?
Den Besuchern des Forums wurden von den Arbeitsgruppen einige ausgewählte Projekte in der großen Runde detaillierter vorgestellt, um Hinweise oder Anmerkungen für die weitere Arbeit zu gewinnen. Grünes Licht oder Nacharbeiten, das stand zur Diskussion. Vorweggenommen: die Arbeitsgruppen bekamen für ihre Projektvorschläge fast einstimmige Unterstützung durch das Forum.
Ein Logo für den Leipziger Osten sucht die AG Image und Öffentlichkeitsarbeit. Dazu wird jetzt ein Logowettbewerb ausgelobt. Herr Kemp von der AG wünscht sich ein optimistisches Logo, das das Besondere und Unverwechselbare des Stadtteiles in eindeutiger Weise herausstellt. Dabei soll es auch eine Jury geben, die zum Stadtteilfest am 22.09.2001 den Sieger küren soll. Geldpreise sind zu vergeben und das Logo wird bei einer Imagekampagne für den Leipziger Osten zu Ehren kommen.
„Der Osten räumt auf”: Eva Radtke, Moderatorin der AG Ordnung, Sauberkeit, Sicherheit und Kriminalität (was für ein Titel!) lädt ein zu einem Aktionstag zum Aufräumen, Müll beseitigen und Wege harken. Die Aktion soll am 09.06.01 im Rabet starten und vielleicht an anderen Stellen fortgesetzt werden. Alle sollen um 9.30 Uhr da sein, um mitzuhelfen, dass das Rabet wieder attraktiver wird. Unter großem Beifall wird dem Projekt die Unterstützung zuteil.
F. Afholderbach von der AG Bildung und Kultur stellt die Idee der Gruppe für ein Wanderkino vor, das mobil durch die Ortsteile zieht und 14-tägig an wechselnden Orten drinnen oder draußen von Jugendlichen ausgewählte oder selbst gedrehte Filme zeigen kann und damit das kulturelle Angebot im Stadtteil verbessert. Mit einem Hinweis auf die noch zu klärende Finanzierung soll dieses Projekt durch das Forum unterstützt werden.
Nachdem am Anfang schon ein Chor aus der Felix-Klein-Schule die Besucher eingestimmt haben, haben Schüler ein Konzept vorgestellt, wie sich das Gymnasium eine Öffnung hin zum Stadtteil vorstellt. Die beiden Schülersprecherinnen Sabine Fischer und Martina Hagedorn stellen die Ideen vor. Begegnungen mit Menschen und Ideen außerhalb der Schule sollen ermöglicht werden. Die Schule kann Fachkompetenzen für Bildungs- und Kulturaufgaben sowie auch Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Das Ziel ist, mehr Freizeit- und Kulturangebote im Leipziger Osten zu schaffen.
Nach der Vorstellung des Projektkonzeptes durch die engagierten Schülersprecherinnen wurde leidenschaftlich diskutiert. Bereits im letzten Forum hatten die Teilnehmer den Eltern und Schülern die Unterstützung im Bemühen gegen eine Schließung des Felix-Klein-Gymnasiums zugesichert. Mit dem Vertreter des Schulverwaltungsamtes, Herrn Wischer, wurden die Argumente für und gegen eine Schließung des Gymnasiums intensiv ausgetauscht. Eltern, Schüler und nicht zuletzt der Direktor Herr Wagner begründeten die Notwendigkeit des Erhalts der Schule. Aufgrund prognostizierter stark rückläufiger Schülerzahlen ist die Schule im Schulentwicklungsplan aber zur Aufhebung vorgesehen. Dabei sind der Stadt „die Hände gebunden”, so Wolfgang Wischer.
Über die Fragen der Bildungsangebote im Leipziger Osten soll im Forum weiter gesprochen werden. In einem Schwerpunkt Bildung und Kultur kann am 10.08.2001 wieder intensiv diskutiert werden.
Das Forum Leipziger Osten wurde durch die Bürger wiederholt als Forum zur Information und Diskussion der wichtigsten Themen des Stadtteiles angenommen. 160 Gäste haben die Möglichkeit genutzt, sich im Rahmen des Programms Soziale Stadt für ihre Interessen einzusetzen oder einfach nur zu schauen, was in den Arbeitsgruppen von anderen Bürgern bereits alles angestoßen und vorbereitet wurde.

Stadtteilmanagerin Petra Hochtritt dankte den Teilnehmern, dass sie das Angebot angenommen haben und den Bürgern, die in den Themenarbeitsgruppen einen großen Teil der Vorbereitung organisiert haben. Sie lud alle Besucher ein, auch wieder zum nächsten Forum am 10.08.01 in den Jugendfreizeittreff Rabet zu kommen: wenn alles gut geht mit einer Einweihung der Atriumbühne.

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