
Forum #4 – 10.08.2001
Kultig, kulturvoll oder kulturlos? Wie lebt es sich im Leipziger Osten?
Nebel quillt mitten zwischen die 150 Besucher im Freizeittreff Rabet, sphärische Klänge sorgen für Konzentration, eine tiefe Stimme beschreibt die Vision vom nahenden Kultur-Utopia im Leipziger Osten. Der Videoschwenk auf die Dachrinnen-Bäume an der Eisenbahnstraße holt alle wieder zurück in die Realität. Was fehlt bei der Kultur im Leipziger Osten? „Korrekte Clubs” für die Jugendlichen, Diskotheken für das mittlere Alter werden gewünscht. Kulturangebote; was kann man machen im Stadtteil, wenn man nicht in die City will; was kann, was muss ein Stadtteil bieten können?
„Kultig, kulturvoll oder kulturlos? Wie lebt es sich im Leipziger Osten?”, die Frage stellte die vorbereitende Themen-Arbeitsgruppe Bildung und Kultur in den Mittelpunkt des Forums #4 am 10. August, zu dem wieder in den Jugendclub eingeladen wurde. Ein prominentes Podium u. a. mit „Prinz” Sebastian Krumbiegel, Dezernent Burkhard Jung, Stadtrat Magirius und der Kulturamtsleiterin Kucharski-Huniat stellte sich den Fragen auch aus dem Publikum. Neben einer wieder kontroversen Diskussion der Schließung des Felix-Klein-Gymnasiums und der Folgen für das kulturelle Angebot im Stadtteil wurden weitere wichtige Fragen besprochen: wie kann die Vision von offenen Künstlerateliers, günstigen Atelierwohnungen für Studenten, multikulturellen Karnevals in einem lebendigen Stadtteil erreicht werden?
Alle Podiumsgäste waren sich darin einig, dass Kultur bei der Entwicklung des Leipziger Ostens eine entscheidende Rolle spielen wird. Dazu sollen auch von außen Impulse im Stadtteil eingebracht werden. Studenten sollen sich verstärkt im Leipziger Osten ansiedeln, hochkarätige Künstler auftreten und in Galerien ausstellen. Dabei soll immer auch das Image des Leipziger Osten verbessert werden. Auch für Leipziger, die aus anderen Stadtteilen kommen und den Osten in positiver Erinnerung behalten können. Noch wichtiger ist es aber, dass die Initiativen aus dem Osten selber kommen, dass interessierte Bürger ihre eigenen Ideen umsetzen können, um Kultur im eigenen Stadtteil „machen” zu können. Da gibt es bereits eine große Menge von Ideen und Projekten. Michael Koelsch, Kulturausschussvorsitzender, wünscht sich mehr Anträge auf Kulturförderung aus dem Leipziger Osten. Er kann sich auch vorstellen, diese Anträge verstärkt zu fördern: Kultur aus dem Stadtteil als Keimzelle.
Langsam lichtete sich der Nebel vom Anfang, ein Kultur- und Kommunikationszentrum wurde vorgeschlagen, ein „Runder Tisch Kultur” wurde gefordert, um mehr Kultur in den Stadtteil zu holen und zu organisieren, wie die Basiskultur zu finanzieren ist. Wie ein Forumsbesucher es zusammengefasst hat: „Ideen sind da, wir wollen es machen. Wir brauchen die Kohle, das ist eigentlich alles.” Der Anfang ist gemacht, jetzt müssen die Angebote aus der Diskussion aufgenommen werden. Für Utopia im Leipziger Osten.
„Soziale Stadt im Osten – da passiert einiges”
Im ersten Teil des Forums berichtete Stadtteilmanager Andreas Kaufmann von den vielfältigen Aktivitäten aus den Arbeitsgruppen und aus dem Stadtteilmanagement seit dem Forum #3 im Mai. Ein Programmsekretariat Soziale Stadt wird demnächst eröffnet, der Koordinator Arbeit arbeitet, die Themen-AG Image hat einen Slogan- und Logowettbewerb organisiert, zu dem weit über 100 Vorschläge eingingen. In der Pause konnte wieder auf kunstvoll zusammengestellten Infotafeln alles Wichtige zu den Projekten, Trägern und AGs angeschaut werden, was in der „Sozialen Stadt” im Leipziger Osten gemacht wird.
Mit der Atriumbühne konnte das erste von Jugendlichen innerhalb der „Sozialen Stadt” entwickelte Projekt umgesetzt werden. Die Bühne wurde nach dem Forum den Besuchern übergeben: der Chor des Felix-Klein-Gymnasiums und die Leipziger Jazz-Enthusiasten weihten die frisch mit Graffiti designte Atriumbühne feierlich ein. Weitere Konzerte können – bei besserem Wetter als bei der Einweihung – folgen.
„Wie geht’s weiter mit der Stadterneuerung im Leipziger Osten?”
War die Erneuerung in den Sanierungsgebieten erfolgreich? Zeigen sich woanders mittlerweile sanierungsbedürftige Zustände? Dazu berichtete HTWK-Professor Ronald Scherzer-Heidenberger, der im Auftrag des ASW an Vorbereitenden Untersuchungen zur Überprüfung der Sanierungsgebietskulisse arbeitet. Er soll sinnvolle Maßnahmen für den Leipziger Osten vorschlagen und prüft, wie finanzierbar sie sind. Nicht jedes Haus ist zu erhalten, wenn mehr Grün in den Stadtteil kommen soll. Für besonders wichtige Gebäude soll es aber weiter öffentliches Geld geben können.
Die anschauliche Schilderung war erst der Einstieg in das wichtige Thema. Auf einem „Forum spezial” soll intensiv über die weitere Stadterneuerung gesprochen werden. Alle Forumsbesucher und weitere Interessierte werden rechtzeitig herzlich eingeladen.